Systemische Familien- und Paartherapie

Die Wahrheit ist freundlich

Die Methode: Zahlreiche Probleme des zwischenmenschlichen Seins sind mit begründet durch Folgen von Verstrickungen innerhalb der Generationen. Unbewusste, nicht sichtbare Prozesse unseres Handelns sind eingebettet in schicksalhafte Verbindungen mit unserer Familie. Für Betroffene können solche Dynamiken durch die Praxis des „Familienstellens“ aufgezeigt werden, einer von Bert Hellinger aufgegriffenen und weiter entwickelten Form der Familientherapie, die bis heute durch viele erfahrene Therapeuten fruchtbare Variationen auch in Kombination mit anderen therapeutischen Methoden erfahren hat.

Vielen von uns ist die Kraft, aber auch die schicksalhafte Macht, die von der Familie ausgeht, nicht bewusst. So sehen wir uns plötzlich genötigt uns von den Eltern abzuwenden ohne uns bewusst zu sein, dass wir dabei, ähnlich wie einem Zwang, den inneren Gesetzen des Familiengewissens folgen. Gerade hier zeigt die Methode des Familienaufstellens, wie der Weg zurück in die Elternliebe neu gestaltet werden kann (zumindest im Inneren). Ebenso wie für uns selbst, bleibt es anzuerkennen, dass Eltern  eingebunden sind in ihr Schicksal.

Foto Julia Schümann Bergisch GladbachUnter dieser Fragestellung sehen wir z.B. Männer, die durch das Nichtnehmen¹ des Vaters erfolglos im Beruf bleiben und Frauen, die durch Nichtnehmen¹ der Mutter keine glückliche Partnerschaft eingehen können. Einen Ansatz zum Verständnis dieses Phänomens hat Bert Hellinger in seinem Buch bezeichnet mit „Anerkennen was ist“². Letztendlich ist das Nehmen und Anerkennen dessen, in das wir hinein geboren wurden, ein wesentliches Standbein für unseren Lebensweg. Und doch ist es genau das, was uns oft nicht gelingen will.

Zur Herkunftsfamilie gehören nicht nur die Eltern, sondern auch deren Vorfahren. Über eine Art magisches Denken versuchen wir Unrecht und Leid in der Familie zu sühnen, in dem wir in Stellvertretung für missachtete, ausgeschlossene Familienmitglieder gehen. Was bedeutet Stellvertretung? Es bedeutet die Identifizierung mit etwas „Altem“ wie Thomas Schäfer4 es ausdrückt; etwas, das generationsübergreifend angesehen werden muss, etwas das nicht bewusst ist und sich ausdrückt besonders in Situationen, in denen wir unser Verhalten nicht aus der gegenwärtigen Situation erklären können und das Gefühl haben, nicht mehr „wir selbst“ zu sein. Das auslösende Element, wie z. B. eine im Kindbett verstorbene Mutter oder das nicht geborene Geschwisterkind, bleibt dabei stets im Verborgenen und wirkt, auch wenn es uns nicht präsent ist, über Jahrzehnte und Generationen hinaus.

So ist jedes Familienschicksal auf seine Weise anwesend und beeinflusst unser gesamtes Leben. Könnten meine Panikattacken zu tun haben mit dem frühen Unfalltod der Schwester meiner Mutter? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung meines Sohnes und dem Inzest – Geschehen in meiner Familie? Hat die Krebserkrankung meines Mannes etwas mit seinem im Krieg erschossenen Großvater zu tun? Bleibt der Erfolg in meinem Beruf aus, weil meine Schwester behindert ist? Hat die „Drogenkarriere“ meiner Tochter mit der Kriegsgeschichte meines Vaters zu tun?

Unter Voraussetzung der entsprechenden Informationen werden über die Praxis des Familienstellens die Bewegungen der Seele aufgezeigt; es wird gezeigt, in welcher Weise Schicksalhaftes auf der Familie oder dem Einzelnem lastet und Handeln beeinflusst, aber auch, wie wir uns in Achtung und Liebe aus dem Bannkreis dieser bestehenden Schicksalhaftigkeit zurückziehen können. Diese nicht sichtbare Dynamik hat Bert Hellinger als „Ordnung der Liebe“³ beschrieben. Belastende Ereignisse unserer Herkunftsfamilie wirken so auf tragische Weise in unser Leben; oft genug dient es auch dem Ausgleich derer, denen Unrecht getan wurde wie man es z. B. bei übergangenen Erbschaften oder ungesühnten Verbrechen häufig sieht. Hier wird oftmals der, der übergangen wurde, vertreten durch einen Nachkommen, der sich dessen natürlich nicht bewusst ist. Er folgt dabei den inneren Gesetzen der Familienseele bzw. des Familiengewissens. Werden diese Verwirrungen jedoch in einer Aufstellungsarbeit aufgezeigt, kann die Bewegung zur Ruhe kommen. Der, der unbewusst in Stellvertretung gegangen ist, um Schuld zu sühnen oder die Verantwortung zu übernehmen, kann sich endlich erleichtert zurück ziehen und den ihm gemäßen Platz in seinem eigenem Leben einnehmen.

Julia Schümann http://www.fotografie-jw.de/Die Praxis: Es ist der ganz besonderen Arbeitsweise Bert Hellingers zu verdanken, dass diese Phänomene heute immer mehr bei der Lösung von Lebenskonflikten berücksichtigt werden können. Die Systemische Familientherapie gehört zu den wenigen äußerst effizienten Kurzzeittherapien. Sie wurde entwickelt auf der Basis der Gruppentherapie; allerdings verzichtet man hier auf den für die Gruppenarbeit typischen Gefühls- und Meinungsaustausch: Der eingangs erwähnte Begriff „Praxis des Familienstellens“ drückt bereits ein wesentliches Element dieser Arbeit aus: Mit Hilfe von Vertretern aus der Gruppe wird die Familie, bzw. das innere Bild der Familie, aufgestellt. Die Arbeit in der Gruppe erfolgt unter dem Einfluss einer besonderen Verbundenheit: Der Klient bestimmt für sich und seine Familienmitglieder Vertreter. Werden diese Vertreter in den Bann dieses Einflusses gestellt, reagieren sie aus der Verbundenheit der Familie heraus und drücken die Gefühle der Mitglieder aus. Dies geschieht auf besonderseindrucksvolle Weise. Für einen gute Lösung müssen oft zwei Systeme angeschaut werden: Das Gegenwarts- und das Vergangenheitssystem. Ersteres zeigt, wie sich Verstrickungen innerhalb unserer Generation auswirken; das Zweite beleuchtet eher unsere Verstrickungen, die durch das spezielle Schicksal von Eltern und Großeltern entstehen. Anders als bei vielen anderen therapeutischen Maßnahmen wird nicht mit den Vorstellungen und Interpretationen des Klienten gearbeitet und natürlich schon gar nicht mit denen desTherapeuten, sondern aus dem Gesamtbild der Familienaufstellung heraus wird versucht eine Lösung aufzuzeigen, wobei „die Lösung nicht unumstößlichesGesetz, sondern lebendige Wirklichkeit ist“², wie Bert Hellinger es formuliert. Und aus dieser Lösung heraus, wird die Wahrheit, die vorher noch Unruhe und Verzweiflung in das ganze Familiensystem brachte, dann plötzlich freundlich.

Neben dieser Form der systemischen Arbeit in der Gruppe können wir auch im Einzelsetting Verstrickungen in den Familien aufzeigen und gute Lösungen finden. Für manche Klienten ist es undenkbar, Intimes aus der Familie innerhalb einer Gruppe fremder Menschen preis zu geben; über den Weg der Einzelarbeit kann dem entsprochen werden. Einzelsitzungen in der Praxis können Sie erfragen via E-Mail über den Button „Kontakt“.

                                               Termine für die Gruppenarbeit finden Sie hier.

DVD Bestellen: Lösungen für Beide/ Kirsten Schümann & Dr. Thomas Siefer

¹ Das Nichtnehmen ist kein bewußter Akt sondern ensteht durch eine komplexen Dynamik im Hintergrund.
² Anerkennen was ist: Gespräche über Verstrickung und Lösung. Bert Hellinger
³ Ordnungen der Liebe: Bert Hellinger
4 Was die Seele krank macht und was sie heilt: Die psychotherapeutische Arbeit Bert Hellingers. Thomas Schäfer.
Buchempfehlungen: